Der Autor
Das Buch

"Wer gut lügt, kann auch gut dichten"

Wer gegen wen

Wer mit wem -
Baudolino und seine Gefährten


Der Brief des Priesters Johannes
Hanser

Abdul, ein weiterer Studienfreund von Baudolino, ist

ganz wie ein Maure, aber seine Mutter stammte aus Hibernia, und das erklärte sein rotes Haar, denn alle, die von jener abgelegenen Insel im hohen Nordwesten kommen, haben diese Haarfarbe und stehen im Ruf, bizarr und verträumt zu sein. Der Vater war Provenzale, aus einer Familie, die sich nach der Eroberung Jerusalems vor fünfzig Jahren in Übersee niedergelassen hatte. Wie Abdul zu erklären versuchte, hatten diese noblen Franken in den Reichen jenseits des Meeres die Sitten und Gebräuche der von ihnen eroberten Völker übernommen, sie schmückten sich mit Turbanen und anderen Türkerien, sie sprachen die Sprache ihrer Feinde, und es fehlte nicht viel, daß sie auch die Vorschriften des Alkorans befolgten. So kam es, daß ein (zur Hälfte) hibernischer Junge mit rotem Haar den Namen Abdul trug und ein braungebranntes Gesicht hatte, braungebrannt von der Sonne Syriens, unter der er geboren war. Er dachte auf arabisch, und auf provenzalisch erzählte er sich die alten Sagen der eisigen Nordmeere, die er von seiner Mutter gehört hatte.

Er hat ein geheimnisvolles, schönes und zugleich schreckliches Erlebnis hinter sich und sucht seit dieser Zeit verzweifelt nach einer Prinzessin, die er eigentlich nie richtig gesehen hat. Und er ist im Besitz des grünen Honigs, der die Menschen in einen wunderbaren Zustand des Rausches versetzt. Ein Zustand übrigens, in den sich die Studienfreunde so manchen Abend begeben und bei dem ihnen die wahnwitzigsten Ideen kommen. Während der Reise zum Reich des Priesters Johannes erscheint Abdul noch einmal seine geliebte Prinzessin, als er beim Kampf mit einer Mantikore (einer Bestie mit einem Löwenleib, einem Skorpion stachel und einem fast menschlichen Kopf) ums Leben kommt.