|
...Fortsetzung
Der Brief des
Presbyters Johannes
Bei
den Heiden fließt durch eine Unserer Provinzen ein Fluß
mit Namen Ydonus. Dieser Fluß kommt aus dem Paradies
hervor und breitet seinen Lauf durch jene ganze Provinz in
diversen Krümmungen aus. Dort findet man Edelsteine:
Saphire, Karfunkel, Topase, Chrysolithe, Onyxe, Berylle, Amethyste,
Sardione und viele wertvolle Steine.
Ebendort wächst ein Kraut, das "Assidios" heißt,
wenn einer dessen Wurzel über sich trägt, entflieht
er dem unreinen Geist und zwingt ihn, zu sagen, wer er sei
und woher und wie sein Name. Daher wagen es die unreinen Geister
nicht, in jenem Land jemanden anzufallen.
In einer anderen Unserer Provinzen wächst
der gesamte Pfeffer und wird gesammelt, den man für Getreide
und Nahrungsmittel und Leder und Tuche tauscht.
Jenes Land aber ist bedeckt mit einer Art Weidengebüsch,
gänzlich voll von Schlangen. Wenn der Pfeffer reif ist,
kommen alle Völker aus den benachbarten Gebieten mit
Spreu, Stroh und dürrem Reisig, womit sie das Gehölz
von allen Seiten umgeben. Wenn aber der Wind sich heftig erhebt,
legen sie innerhalb und außerhalb des Gehölzes
Feuer, damit keine Schlange aus dem Gehölz herauskommen
kann und so sterben die Schlangen in dem kräftig entfachten
Feuer, außer jenen, die sich in ihre Höhlen verkrochen
haben.
Wenn das Feuer erloschen ist, betreten Männer und Frauen,
kleine und große, mit Heugabeln das Gehölz und
werfen mit den Heugabeln alle gedörrten Schlangen aus
dem Gehölz auf einen großen Haufen. So wird der
Pfeffer getrocknet und von den ver brannten Ästen gesammelt
und gekocht, aber, wie er gekocht wird, das ist keinem Fremden
zu wissen erlaubt.
Das Gehölz liegt am Fuß des Berges Olymp, von wo
eine durchsichtige Quelle entspringt, die den Wohlgeruch aller
Spezereien in sich birgt. Es wechselt aber der Wohlgeruch
in den einzelnen Stunden des Tages und der Nacht; und die
Quelle entspringt nicht mehr als drei Tagesreisen vom Paradies,
aus dem Adam vertrieben wurde.
Wenn jemand von der Quelle dreimal durstig gekostet, spürt
er von jenem Tag an keine Schwäche, und er fühlt
sich immer wie im Alter von 32 Jahren, solange er lebt.
Dort gibt es auch Edelsteine, die "midriosi" genannt
werden, die oft zu Unseren Ländern von Adlern gebracht
werden, durch die sie wieder jung werden und das Augenlicht
wiedererlangen.
Wenn jemand einen von ihnen am Finger trägt, wird sein
Augenlicht nicht geschwächt, und wenn es bereits geschwächt
ist, wird es wiederhergestellt und, wenn man mehr hineinsieht,
dann wird es schärfer. Wenn einer mit dem vorgesehenen
Spruch geweiht ist, macht es den Menschen unsichtbar, verjagt
den Haß, schafft Eintracht, vertreibt den Neid.
|
|
Unter dem übrigen, was sich wunderbarerweise
in Unserem Land befindet, ist ein sandiges Meer ohne Wasser.
Der Sand bewegt sich nämlich und schwillt zu Wellen an
wie das Meer und ist niemals still. Dieses Meer kann niemand
überqueren mit einem Schiff oder auf andere Weise, daher
kann man nicht wissen, wessen Land jenseits liegt. Und wenn
es auch gänzlich ohne Wasser ist, findet man doch am
Ufer auf Unserer Seite verschiedene Arten von Fischen, sehr
angenehm und schmackhaft zu verzehren, die nirgendwo sonst
gesehen wurden.
Drei Tagesreisen entfernt von diesem Meer liegen Berge, von
denen ein Fluß von Edelsteinen herabfließt in
derselben Weise ohne Wasser, und er fließt durch Unser
Land bis zum sandigen Meer.
An drei Tagen in der Woche fließt er und es schwimmen
kleine und große Edelsteine mit und ziehen Hölzer
mit sich zum sandigen Meer; nachdem der Fluß in das
Meer eingeflossen ist, verschwinden die Steine und das Holz
und erscheinen weiter nicht mehr, solange der Fluß fließt,
kann ihn niemand durchschreiten. An den anderen 4 Tagen ist
das Durchschreiten möglich.
|