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Das Buch

"Wer gut lügt, kann auch gut dichten"

Wer gegen wen

Wer mit wem -
Baudolino und seine Gefährten


Der Brief des Priesters Johannes
Hanser
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...Fortsetzung
Der Brief des
Presbyters Johannes

Wer dann so lange gelebt hat, ruft am letzten Tag der erwähnten Zeit die Verwandten und Freunde zusammen und sagt zu ihnen: "Meine Freunde und nächsten Anverwandten, schon bald werde ich sterben. Ich bitte Euch, schließt über mir das Grab und betet für mich."
Nach diesen Worten betritt er sogleich das Grab, nimmt Abschied und legt sich nieder, als ob er schlafen wolle und damit die Prophezeiung erfüllt wird "in der letzten Stunde übergibt er seine Seele dem Schöpfer".
Die Anwesenden aber weinen der Sitte gemäß über dem Leichnam des geliebten Menschen, schließen das Grab, empfehlen ihn dem Herrn und entfernen sich.

Am nächsten Morgen erhob sich mein Vater, der Gottgleiche, von diesen Visionen erschreckt und wäh rend er nachdachte und sehr beunruhigt war, hörte er die erhabene Stimme, die auch die, die er bei sich hatte, hörten und sie sagte:
"Oh Gottgleicher, tue das, was Dir vorgeschrieben wur de, zögere nicht, damit alles so wird wie vorhergesagt."
Bei dieser Stimme wurde mein Vater getröstet und fing sofort an, den Palast zu bauen, für dessen Errichtung nur die wertvollsten Edelsteine und das beste Gold für den Mörtel genommen wurden.

Sein Himmel, das ist das Dach, ist von leuchtendem Saphir und klare Topase sind dazwischengesetzt, damit die Saphire wie der Himmel und die Topase in der Art der Sterne leuchten.
Der Estrich besteht aus großen Kristallplatten, Kammern oder sonstige Abteilungen gibt es im Palast nicht. Die 50 Säulen sind aus purem Gold, wie Nadeln geformt und innerhalb des Palastes entlang der Mauer aufgestellt.
In jeder Ecke ist eine, die übrigen sind zwischen ihnen aufgestellt. Die Höhe einer dieser Säulen beträgt 60 Ellen, ihr Umfang ist so, daß zwei Menschen sie mit ihren Armen umspannen können und jede hat in ihrer Spitze einen Karfunkel, der so groß ist wie eine Amphore, dadurch wird der Palast erleuchtet wie die Erde durch die Sonne.
Wenn Du aber fragst, weshalb sind die Säulen wie Nadeln gespitzt? Das ist deshalb so, daß, wenn sie oben so breit wie unten wären, der Estrich und der ganze Palast nicht durch solchen Glanz der Karfunkel erleuchtet würden.
Und fragst Du, ob es dort hell ist? Solch große Helligkeit ist dort, daß nichts so Geringes oder Feines sich auf dem Estrich befinden kann, daß es nicht gesehen würde.
Kein Fenster und keine andere Öffnung gibt es dort, damit nicht die Helligkeit der Karfunkel und der anderen Steine durch die Helligkeit des reinen Himmels und der Sonne in irgendeiner Weise verdunkelt werden kann.
Es gibt dort eine Pforte von reinem leuchtenden Kristall, umgeben mit funkelndem Gold, sie liegt nach Osten, ihre Höhe beträgt 130 Ellen, wenn Unsere Hoheit zum Palast kommt, öffnet und schließt sie von selbst ohne Berührung. Wenn aber andere eintreten, öffnen und schließen die Türwärter.

Jeden Tag gehen Wir in den Palast, um aus jener Quelle zu trinken, wenn Wir Uns in der Stadt aufhalten, die Briebrich genannt wird. Wenn Wir fortreiten, lassen Wir Uns von jener Quelle, wohin Wir auch gehen, Wasser nachtragen und trinken jeden Tag dreimal davon, wie es in der Vision Unseres Vaters vorge schrieben worden ist.

An Unserem Geburtstag und Unserem Krönungs tag betreten Wir jenen Palast und bleiben so lange in ihm, bis Wir gegessen haben könnten und gehen von dort gesättigt, als ob Wir mit Speisen jeder Art gefüllt wären.

Wenn Du wiederum fragst, da der Schöpfer aller Uns zum Mächtigsten und Berühmtesten über alle Sterb lichen gemacht hat, warum Unser Hoheit dann sich nicht mit einem würdigeren Namen benennen läßt als "presbiteratus", soll sich Deine Klugheit nicht verwundern.
Wir haben einige Ministerialen an Unserem Hofe, die würdiger sind nach Namen und Amt, insofern es den kirchlichen Rang betrifft und auch höher als Wir in den Gottesdiensten fungieren. Denn Unser Truchseß ist Primas und König, Unser Schenk ist Erzbischof und König, Unser Kämmerer ist Bischof und König, Unser Marschall König und Archimandrita, Unser Küchenmeister König und Abt. Daher hat es Unser Hoheit nicht für gut gehalten, sich mit den Namen oder Würden zu benennen, von denen Unser Hof voll zu sein erscheint, deshalb hat er sich entschlossen, den geringeren Namen und die niedrigere Würde zu nehmen wegen seiner großen Bescheidenheit.

Über Unseren Ruhm und Unsere Macht können Wir Dir zur Zeit nicht genug sagen. Aber, wenn Du zu Uns kommst, wirst Du sagen, daß Wir der Herr der Herren der ganzen Welt sind. Dies weißt Du wenigstens inzwischen, daß unser Reich sich auf der einen Seite fast 4 Monate in die Breite zieht, auf der anderen Seite weiß niemand, wie weit Unsere Herrschaft reicht.
Wenn Du die Sterne des Himmels und den Sand des Meeres zählen kannst, dann zähle Unsere Herr schaft und Unsere Macht.

Gegeben in Unserer Stadt Bibrich, an den XV. Kal. Aprilis (14. März) im Jahre LI Unserer Geburt. Zur Bestätigung: alles, was oben gesagt worden ist, gleichwie unglaublich, daß dies wahr ist, hat ein Kardinal namens Stephanus, mit Treu und Glauben versichert und allen offen verkündet.

Es endet das Buch oder die Geschichte des Presbiters Johannes, die vom Griechischen ins Lateinische übersetzt worden ist von Christian, dem Erzbischof von Mainz. Dieser Christian war der Nachfolger von Konrad. Jener Manuel regierte in Griechenland vom Jahr 1144 bis 1180.

Übersetzung von Ulrich Knefelkamp

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