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Die »Königin der Hysterikerinnen«
Blanche Wittman

Blanche Wittman wurde 1859 geboren. Ihr Vater galt als geistesgestört, ihre Mutter litt an häufigen Nervenkrisen. Fünf von Blanches acht Geschwistern starben an krampfartigen Anfällen, und Blanche erlitt im Alter von zwölf Jahren erstmals Ohnmachten. Mit 15 Jahren begann sie, als Näherin zu arbeiten. Zu dieser Zeit hatte sie ihre ersten Liebhaber. Nachdem sie wegen ihrer Anfälle ihre Arbeit verloren hatte, kam sie in die Salpêtrière. Hier avancierte sie zu einer der Lieblingspatientinnen von Professor Jean-Martin Charcot, dem Chefarzt der Salpêtrière.
In ihrer Krankenakte wird Blanche als »herrisch und launenhaft« beschrieben. Aber sie galt auch als schön und anziehend. In einem Bericht aus der ersten Zeit ihres Aufenthaltes in der Salpêtrière heißt es von ihr: »Blanche ist groß, 1,64 m, und von kräftiger Statur und blond. Ihre Haut ist
hell. Ihre Brüste sind sehr groß. Ihre Intelligenz erreicht gerade eben den Durchschnitt. Ihr Gedächtnis ist ausreichend gut. Ihre Augen sind strahlend. Blicke und Berührungen von Männern verursachen bei ihr eine Art von besonderer Aufregung.«
Zehn Jahre später stand die mittlerweile als »Königin der Hysterikerinnen« bekannte Blanche im Zentrum des berühmten Gemäldes Une Leçon Clinique à la Salpêtrière von André Brouillet, das auf dem Pariser Salon von 1887 ausgestellt wurde. In dieser Zeit machte sie die Bekanntschaft mit sämtlichen der damals zur Heilung der Hysterie angewandten Behandlungen. Diese Methoden galten im ausgehenden 19.Jahrhundert als fortschrittlich, waren jedoch schon bald darauf mehr als umstritten.
Aber nicht nur als Hysterikerin erlangte Blanche Berühmtheit: Auf dem Internationalen Kongreß für Hypnose von 1889 war ihr Fall Gegenstand des Eröffnungsvortrags. Kurze Zeit darauf wurde im Pariser Krankenhaus Hôtel-Dieu bei ihr eine schwere Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.
Die Geschichte ihrer zweiten Lebenshälfte nach Charcots Tod erzählt der Roman von Per Olov Enquist.

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